Kodak Snapic A1 – Hoffnungsträger oder der nächste Plastikbomber?
Share
Kodak Snapic A1 – Hoffnungsträger oder der nächste Plastikbomber?
Als Hersteller von Zubehör für die Analoge Foto-Community sind wir natürlich daran interessiert, dass es zukünftig auch Analogkameras gibt. Natürlich kommt wenig an die mechanische Qualität der Spiegelreflexkameras und Rangefinder der Goldenen Analogzeiten heran, aber vor allem für Neueinsteiger braucht es leicht erhältliche und vor allem zuverlässige neue Kameras.
Hier gibt es endlich Fakten: Nach dem Release der Lomo MC-A ist nun auch die Kodak Snapic A1 (vom Lizenznehmer RETO) da. Grundsätzlich ist das ein positives Signal für uns alle, denn neue Hardware sichert langfristig die Nachfrage nach Film. Wir haben uns die Specs und die ersten Reviews genauer angesehen.
Die Specs: Glas trifft auf harte Grenzen

Der Teaser verriet bereits die wichtigste Kennzahl: Es ist eine 25mm Glaslinse (Triplet) verbaut. Das ist der entscheidende Unterschied zu den üblichen "Reusable"-Kameras, die oft nur eine einfache Kunststofflinse haben. Die Schärfe ist laut ersten Tests tatsächlich ordentlich und deutlich über dem "Lomo-Look".
Aber hier kommt mein persönlicher Kritikpunkt:
Die Kamera arbeitet mit einer fixen Blende von f/9.5 und einer fixen Verschlusszeit von 1/100 Sekunde. Es gibt keine ISO-Einstellung. Das bedeutet, die Kamera ist faktisch eine bessere Einwegkamera (mit Glaslinse und Nachladefunktion).
Für den Preis von knapp 100 € (bzw. 99 $) muss man sich das gut überlegen. Auf dem Gebrauchtmarkt bekommt ihr für deutlich weniger Geld Kameras wie eine Nikon L35AF, Canon AF-1 oder diverse Point-and-Shoots, die eine Blende von f/2.8 oder f/3.5 haben. Diese lassen wesentlich mehr Licht durch und haben oft variable Verschlusszeiten. Mit der f/9.5 Blende der Snapic seid ihr extrem auf Sonnenlicht angewiesen – oder ihr müsst dauernd blitzen.
Zone Focus & LCD: Gimmick oder Nutzen?

Die Fokussierung läuft über Zone-Focusing. Physikalisch betrachtet ist das bei 25mm Weitwinkel und der winzigen Blende jedoch unkritisch. Die Schärfentiefe ist so enorm, dass man kaum unscharfe Bilder produzieren kann.
Interessant ist das LCD-Display auf der Oberseite. In der Praxis zeigt es sich nützlicher als gedacht:
- Es zeigt den Bildzähler und Blitzmodi an.
- Feature-Highlight: Die Kamera merkt sich die Blitzeinstellung beim Ausschalten (kein nerviges Resetten des Blitzes).
- Es steuert den Doppelbelichtungs-Modus, was ein nettes kreatives Feature ist.
Achtung: Reviews zeigen eine sehr starke Vignettierung (dunkle Ecken), wenn der Blitz benutzt wird. Das muss man mögen.
Der Vergleich: Lomo MC-A vs. Kodak Snapic A1
Parallel zur Snapic sorgt die neue Lomo MC-A für Furore. Hier sehen wir zwei völlig unterschiedliche Ansätze:
Die Lomo MC-A kostet mit ca. 550 € zwar das Fünffache, ist aber dafür eine "richtige" Kamera:
- Lichtstarkes f/2.8 Minitar Objektiv.
- Echter Autofokus (LiDAR).
- Manuelle Kontrolle über Blende und Fokus möglich.
- Massiver Metallbody statt Kunststoff.
Wer ernsthaft fotografieren will und Kontrolle braucht, landet bei der Lomo (oder eben bei Vintage-Kameras). Die Snapic A1 positioniert sich dagegen klar als unkomplizierte "Fun-Kamera".
Unser Wunsch an die Industrie
Wir begrüßen die Snapic A1 als Einstieg für neue Analog-Fotografen. Der Markt wird aber gerade entweder mit extrem simplen Kunststoffkameras oder sehr teuren Premium-Neuauflagen geflutet.
Was wirklich fehlt – und das hören wir auch von euch immer wieder – ist der Mut zur Mechanik der Mittelklasse. Eine moderne Interpretation einer klassischen SLR, wie eine Pentax Spotmatic mit M42-Mount, wäre der Traum.
- Vollmechanisch (reparierbar in 50 Jahren).
- Keine anfällige Elektronik.
- Kompatibel mit Millionen existierender Vintage-Objektive.
Natürlich ist das in der Fertigung teuer und komplex. Aber bis sich ein Hersteller da wieder rantraut, halten wir die alten Schätze am Leben.
Fazit
Die Snapic A1 könnte ein lustiger "Daily Driver" für den Strandurlaub sein, wo genug Licht für die f/9.5 Blende vorhanden ist und man die teure Contax T2 lieber im Safe lässt.
Wer aber auch bei schlechterem Licht ohne Blitz fotografieren will und nur 100 Euro Budget hat, ist mit einer geprüften gebrauchten Kamera oft besser bedient (auch wenn da natürlich immer das Risiko besteht, dass sie irgendwann den Geist aufgibt und man keine Garantie hat).
Wie seht ihr das? Reicht euch f/9.5 für Schnappschüsse oder ist das ein Dealbreaker?
Euer Vladi
Bildnachweis: Die Bilder sind dem Teaservideo auf Instagram entnommen.